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wir erzählen Ihre Geschichte...

Geschichten, die zu Geschichte werden, passieren jederzeit und an jedem Ort. Wir halten sie für Sie fest.

Die Großmutter, die ihren Enkeln ihre Familiengeschichte hinterlassen möchte? Das Unternehmen, das anlässlich seines Jubiläums Firmengeschichte ganz besonders aufarbeiten möchte? Wir sorgen dafür, dass Ihre „Story“ erfahr- und erlebbar wird – und bleibt.

02Oktober

Was bin ich froh!

Was bin ich froh, im Ahrtal zu leben! Nee, ich weiß, Sie denken jetzt an die traumhaft schöne Landschaft (die zugegebenermaßen ganz doll schön ist). Und nee, nicht wegen des hervorragenden Ahrweines (also nicht in erster Linie … obwohl … der trockene Spätburgunder … mmmh … oder der frühe Burgunder … oder der weiße, der eigentlich ein roter ist … mmmmmh …).

Aber nein! Ich bin nicht froh wegen der Weine (nicht nur). Und schließlich und endlich auch nicht wegen der vielen rücksichtsvollen Autofahrer, die auch in den 50 Stundenkilometer-Zonen konsequent 30 Stundenkilometer in der Spitze fahren! Nein, ich bin so froh, hier leben und wirken zu dürfen wegen der Brötchen-Verkäuferinnen! Jawohl, Sie haben richtig gelesen, mich machen die Damen glücklich, die mir jeden Morgen hinter der Backstubentheke Brötchen verkaufen (okay, manchmal - ganz selten - ist es auch ein Herr). Dabei war unser erstes Zusammentreffen, also kurz nach meinem Zuzug aus der fernen Hauptstadt, nicht wirklich von Harmonie geprägt:

Ich (trotz früher Stunde gut gelaunt, die Sonne schien und es war Sommer – Sommer im Ahrtal!): „Guten Morgen, ich hätte gerne drei Schrippen.“

Die Bäckereifachverkäuferin (sich etwas gestört fühlend, da ich durch mein Eintreten das Ende des Gesprächs mit der vorigen Kundin einläutete, welches gerade mal zehn Minuten oder so gedauert hatte - woher ich das wusste? Ich durfte dem Gespräch in Gänze folgen!) Also sie: „Wie bitte?“

Ich (immer noch gut gelaunt, bestimmt hatte sie mich nur nicht verstanden, weil sie in Gedanken noch dem Gespräch mit Kundin-vor-mir nachhing): „Drei Schrippen bitte.“

Sie: „Haben wir nicht.“ (sich dabei schon der Kundin hinter mir zuwendend) „Guten Morgen Erika. Bei Dir wie immer?“

Ich (mit dem Finger auf die Auslage zeigend, leicht stammelnd wegen der rüden Abweisung: „Doch, da: Brötchen.“ (wenn ich nervös werde, verfalle ich in arg rudimentäre Sprache und bekomme keine zusammenhängenden Sätze mehr zustande.)

Sie: „Ach so, Brötchen, dann sagen Sie doch auch „Brötchen“.“

Also gut.

Ich (meine Atmung beruhigte sich, sie schaute wieder mich an.): „Drei Brötchen bitte.“

Sie: „Wie jetzt, drei Brötchen? Welche denn?“

Oh Gott, der Blick war alles andere als freundlich! Also Pause, gedanklicher Stillstand! Was sollte ich antworten?

Ich fühlte mich wie mit sieben, als meine Mutter mich zum ersten türkischen Gemüseladen um die Ecke schickte; ich sollte für den Religionsunterricht einen Rettich besorgen und kam mangels Kenntnis wie so ein Rettich aussah mit einer Aubergine nach Hause (auf die Frage des Verkäufers an der Kasse: „Wieso Du nimmt das, Du wollen doch Rettich?“ traute ich mich nicht, meine Unwissenheit zuzugeben.

Meine Mutter zerrte ihre sich vor Scham vergehende Tochter zurück in den Gemüseladen. „Ah, ich haben Tochter gesagt, dass sie nehmen falsches Gemüse! Warum sie mich nicht sagen, dass sie nicht kennen Rettich.“ „Ja unglaublich oder? Dabei ist sie schon sieben und kann doch den Mund aufmachen.“ Danke Mama. Es war so demütigend.

Und nun, hier und jetzt? Ich wollte Schrippen! Drei Schrippen! Drei helle, aus Weizenmehl und Wasser geknetete Backteile mich dem kennzeichnendem Spalt in der Mitte. Brötchen von mir aus. Wieso verstand sie mich nicht? Die letzten zwanzig Jahre hatte ich das doch auch hinbekommen. Einfach nur Brötchen, normale Brötchen! - Ha! Da war es! Normal. Ja was denn sonst!

Ich (mit sich überschlagender Stimme; hinter mir hatte sich schon eine kleine Schlange wartender Kunden gebildet): „Drei normale Brötchen bitte.“

Sie: „99 Cent“.

Mit vor Stolz geschwellter Brust legte ich einen Euro auf die Theke: „Stimmt so.“ Und verabschiedete mich mit triumphierendem Lächeln und kurzem Nicken in die Runde. Prüfung bestanden.

Heute, zwölf Jahre später bin ich die Kundin, die freudestrahlend mit „Guten Morgen Frau Höfer, was darf es heute sein?“ begrüßt wird. Da ich die erste in der Familie bin, die morgens aufsteht, sind die Damen (und mitunter Herren) beim Bäcker die ersten freundlichen Wesen, die ich morgens zu Gesicht bekomme (Hunde und Katzen zählen nicht). Sie zaubern mir nicht nur oft noch warme, leckere Backwaren auf die Theke, sondern insbesondere zaubern sie mir das erste Lächeln des Tages ins Gesicht. Von ihnen höre ich die ersten freundlichen Worte des Tages. Immer. Jeden Morgen. Dafür ganz lieben Dank!

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