Leseprobe


maranatha

Ich möchte Ihnen heute eine Erfolgsgeschichte erzählen, es geht dabei - auch - um eine erfolgreiche Geschäftsfrau und ihre beiden Kinder. Sohn und Tochter waren von Anfang an dabei, haben die Grundlagen für das erfolgreiche Familienunternehmen gelegt und alle drei sind auch heute noch, über vierzig Jahre später, in großem Maße verantwortlich für den Unternehmenserfolg. Natürlich herrschte, wie bei vielen erfolgreichen Unternehmen, im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nicht immer nur eitel Sonnenschein. Es galt immer wieder auch schwierige Situationen zu meistern, weitreichende Entscheidungen mussten gefällt und Rückschläge verarbeitet werden. Aber alles in allem ging es kontinuierlich voran, das Unternehmen und die Mitarbeiterzahl stiegen und so blicken alle drei heute auf ein durch und durch gelungenes Lebenswerk zurück.

Nun, wie gesagt, es geht auch um die erfolgreiche Unternehmung. Worum es bei meiner Geschichte noch geht? Um die Kunden. Die Konsumenten. Die Nutznießer. Wobei die Frage, wer hier als Letzterer zu bezeichnen ist, Unternehmen oder Kunden, nicht schnell zu beantworten ist. Sie sind jetzt verwirrt? Kein Problem, lesen Sie meine kleine Geschichte und Sie werden verstehen.

 

Also. Wir befinden uns im Deutschland der siebziger Jahre. Der Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt neunzehnhundertsiebzig vor dem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Warschau wird zum Symbolbild. Die auf Entspannung angelegte Ostpolitik der sozialliberalen Regierung spaltet die Westdeutschen. Ein Jahr später ordnet Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher an: Alle unverheirateten weiblichen Berufstätigen in verantwortungsvoller Stellung sind mit „Frau“ anstelle von „Fräulein“ anzureden.

Neunzehnhundertzweiundsiebzig sollten die Olympischen Spiele in München heiter werden. Doch palästinensische Terroristen überfallen die israelische Mannschaft, beim Befreiungsversuch sterben 17 Menschen. Ein weiteres Jahr später sind die deutschen Autobahnen von Nord bis Süd leer – Fahrverbote an vier Sonntagen zeigen den Westdeutschen die „Grenzen des Wachstums“. Arabische Staaten haben einen Ölboykott verfügt.

Von neunzehnhundertfünfundsiebzig an sind die Bundesbürger bereits mit 18 statt mit 21 Jahren volljährig. Im Jahr neunzehnhundertsiebenundsiebzig treibt der RAF-Terrorismus schließlich die Republik quasi in den Ausnahmezustand. Schreckliche Höhepunkte des „Deutschen Herbstes“ sind die Befreiung der Lufthansa-Passagiere in Mogadischu, der Selbstmord von drei RAF-Häftlingen und die Ermordung des entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.

Gleichzeitig mit den dramatischen politischen Entwicklungen im In- und Ausland schwappt Fröhlichkeit und Spaß über den großen Teich, die Disco-Welle erreicht Deutschland – der amerikanische Film
„Nur Samstag Nacht“ („Saturday Night Fever“) mit John Travolta startet in den Kinos.[1]

In dieser politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich turbulenten Zeit beschließt Hannelore Spitzlei, den Lebensmittelpunkt für sich und ihre beiden zwölf und acht Jahre alten Kinder an die Ahr nach Bad Bodendorf zu verlegen. Ihr Bruder, ein Pastor, überzeugte sie, sich neu zu orientieren. In den Medien hatte Hannelore Spitzlei die Diskussion verfolgt, wie in der Bundesrepublik zukünftig ‚mit den Alten‘ umgegangen werden soll. Zu der Zeit gab es ausschließlich staatlich geführte Altenheime, in denen die Bewohner mehr schlecht als recht versorgt und bestenfalls abgestellt wurden. Hannelore Spitzlei war erschrocken über die Missstände. Schnell stand ihr Entschluss fest „Wir machen ein Altenheim!“. Was sie für die Umsetzung ihrer Idee mitbrachte? Kapital? Einen Business-Plan? Weit gefehlt. „Mut, ein gutes Herz und die Idee“, so erzählt heute ihr Sohn Harald Monschau, waren alles, was sie hatte. Und wenn man sich in die Zeit zurückdenkt, in der diese Erfolgsgeschichte ihren Anfang nahm, weiß man, dass Hannelore Spitzlei darüber hinaus große Willenskraft und sehr viel Energie mitbrachte und als Geschäftsfrau ihrer Zeit weit voraus war. Denn nicht vergessen, wir sind im Jahr neunzehnhundertvierundsiebzig!

Nachdem nun also die Idee geboren war und die Absicht feststand, war auch das passende Gebäude bald gefunden, ein ehemaliges Hotel garni in Bad Bodendorf. Wo bitteschön liegt denn Bad Bodendorf fragen Sie? Die Geschichte des Ortes geht laut Historikern bis ins neunte Jahrhundert zurück.

Wie viele Orte im Ahrtal, erlangte auch Bodendorf Bekanntheit durch seinen Weinanbau. Im Jahre neunzehnhundert schließlich wurden die Thermalquellen erbohrt, welche Bodendorf neunzehnhundertzweiundsiebzig den Titel „Bad“ gaben. In den sechziger und siebziger Jahren gab es hier das beste Heilwasser der Republik. Bad Bodendorf war als Kurbad im nördlichen Rheinland-Pfalz beliebt und begehrt. Begünstigt wurde diese Entwicklung auch durch den 1880 erfolgten Bau der Ahrtalbahn.[2] Die Kurgäste kamen zahlreich und der Kurbetrieb war neunzehnhundertvierundsiebzig, als Hannelore und ihre beiden Kinder Harald und Sylvia hierherzogen, auf seinem Höhepunkt.

Im Laufe der Jahre gab es zwar immer weniger Kuren, die Betreiber der Hotels und Gaststätten wurden älter, so auch die Urlauber, aber sie kamen weiterhin nach Bad Bodendorf. Oftmals aus lieber Gewohnheit und weil sie das Ahrtal kennen und lieben gelernt hatten. Und manche von ihnen kamen – und gingen nicht wieder.

Es war in dieser Zeit nicht ungewöhnlich, dass ältere Damen und Herren sich ohne eigenen Hausstand dauerhaft in Hotels einmieteten. So beherbergte auch die Familie Spitzlei bald eine kleine Wohngemeinschaft, die Pflege spielte zunächst noch keine Rolle. Hannelore stand selber in der Küche und kochte nicht nur für ihre Familie, sondern auch für ihre Gäste, die Milch kam vom Bauern nebenan, die Kinder bedienten die Gäste, servierten das Frühstück und alle, auch Tanten und Onkels, packten in Haus und Garten mit an. Das erste Weihnachtsfest verbrachte die dreiköpfige Familie mit vier Gästen. Man hatte einen Tannenbaum im eigenen Wohnzimmer, aber auch einen im Restaurant des Hauses für die Gäste aufgestellt und liebevoll geschmückt. Doch Hannelore wäre nicht Hannelore, wenn sie am Heiligen Abend nicht kurzerhand die Türen ihres Wohnzimmers auch für ihre Gäste geöffnet hätte. Es war ein wunderschönes Weihnachtsfest und alle fühlten sich wie eine große Familie.

Genau dieses Gefühl, im Kreise einer großen Familie zu leben, aufgehoben zu sein, dieses Gefühl stand immer im Mittelpunkt der Bestrebungen von Hannelore Spitzlei, Sylvia Linden und Harald Monschau. Nie ging es um die Erreichung rein wirtschaftlicher Ziele und ökonomischen Erfolges. Von Anfang sollten stets die persönlichen Bedürfnisse der Gäste an erster Stelle stehen. Dafür war der Familie jedes Mittel recht.

So hatte Hannelore Spitzlei in ihrem Schlafzimmer eine Klingel, über die ihre Gäste sie jederzeit anklingeln konnten. Die Wege waren kurz, die Türen standen offen und für die Kinder waren einige der ersten Gäste wie echte Tanten und Onkels, sie erlebten, wie diese Menschen alt und sie selbst dabei erwachsen wurden. Dabei war es für Harald und Sylvia nicht immer nur leicht.

Der Umzug ins Ahrtal, weg von den Freunden, ist ihnen durchaus schwer gefallen. Die Arbeit im eigenen Heim dennoch nicht. „Wir haben das nie hinterfragt, das war eben so“, erzählt Harald Monschau heute. Und es war ja auch schön. Was gab es nicht alles zu lachen. So zum Beispiel als einen Tag vor Ostern frische Hühner für die Suppe gekauft und zum Kühlen auf die Terrasse gelegt wurden. Der Kater hatte seinen Spaß, einen vollen Bauch und das Huhn war weg. Pragmatisch wie Hannelore war, kochte sie kurzerhand Nudeln für alle – Nudeln an Ostern! – und erntete bei ihren Gästen für diese Geschichte großes Gelächter.

Sehr bald schon war das erste Maranatha-Haus „Haus Ahrtal“ ausgebucht. Hier nannte die Familie vierzehn Bewohner ihre Gäste. Neunzehnhundertsechsundsiebzig schließlich zog mit einer älteren Dame, einer frühpensionierten Lehrerin, der erste Pflegefall ins Haus. Der Bedarf veränderte sich, mehr Platz war nötig, aber auch eine inhaltliche Neuausrichtung hin zur Pflege. Hannelore Spitzlei stellte sich den Anforderungen der Zeit mit der ihr eigenen Einstellung, einer Mischung aus Pragmatismus, Zuversicht und Gottvertrauen „Ein neues Gesetzt kommt? Dann kommt es eben!“.

Neunzehnhundertachtundsiebzig dann eröffnete das zweite Haus „Haus
Ahrufer“. Mitarbeiter wurden eingestellt und Hannelore Spitzlei selbst qualifizierte sich zur Heimleiterin während Harald examinierter Krankenpfleger wurde. Im Laufe der Jahre erwarben alle Familienmitglieder die erforderlichen Qualifikationen, um den Bedarfen von außen gerecht zu werden. Sylvia Linden ist heute nicht nur examinierte Krankenschwestern, sondern auch Heim- und Pflegedienstleiterin und „ganz nebenbei“ Qualitätsmanagerin.

Nach wie vor gab es keinen Masterplan! Immer noch trieb die Familie der Fleiß, den Bedürfnissen der Gäste und Bewohner entsprechend den nun sich kontinuierlich verändernden Gesetzen gerecht zu werden. Woraus die Familie in all‘ den Jahren Kraft schöpfte, ist nicht zuletzt ihr tief verwurzelter Glaube. Nicht von ungefähr kommt daher auch die Wahl des Namens „Maranatha“.

Maranatha ist ein aramäischer Ausruf, der wohl von den frühen Christen benutzt wurde. In frühchristlicher Zeit drückte das aramäische Wort Maranatha die Erwartung der baldigen Wiederkehr Jesu Christi nach seiner Himmelfahrt aus. Es findet sich in der Bibel an einer einzigen Stelle. Mögliche Übersetzungen sind: „Unser Herr ist gekommen“ (maran atha) oder „Unser Herr wird kommen“ oder – am wahrscheinlichsten – „Unser Herr, komm!“ (marana tha). Vermutlich stammt der Ruf aus den christlichen Urgemeinden, dort war die Erwartung der Wiederkehr Jesu sehr ausgeprägt.[3]

„Unser Herr, komm!“, also die Hoffnung auf die Wiederkehr Jesu Christi. Die Hoffnung, dass es weitergeht, dass mit dem Tod – oder dem Alter – eben nicht alles zu Ende ist. Diese Hoffnung möchte die Familie ihren Gästen weitergeben. Sich dabei selbst als Teil einer großen Familie zu sehen, fällt Hannelore, Sylvia und Harald überhaupt nicht schwer. Ihnen selber geht Familie über alles. Es ist selbstverständlich, dass die großen Feiertage wie Weihnachten und Ostern oder auch Sylvester gemeinsam begangen werden.

Aus dem Weihnachtsfest neunzehnhundertvierundsiebzig, als Hannelore und ihre Kinder zum ersten Mal gemeinsam mit den Hausgästen feierten, ist übrigens Tradition geworden. Seit diesem ersten Jahr begehen die Familienmitglieder den Heilig Abend jedes Jahr zusammen mit der „großen Familie“. Diese umfasst heute immerhin mehr als 300 Mitarbeiter und rund 230 viele Bewohner!

Hannelore Spitzlei ist mit 75 Jahren nach wie vor voll aktiv. Die Liebe zu ihren Mitmenschen hat sich in den über vierzig Jahren seit Eröffnung des ersten Hauses nicht nur auf ihre Familie und ihre Gäste beschränkt. Auch das Wohl und die Zufriedenheit der Mitarbeiter standen immer mit im Zentrum ihres Bemühens. So leitete ein Onkel der Familie viele Jahr lang die Haustechnik bevor er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete. Aber auch eine angestellte Köchin ist schon seit dreißig Jahren „Familien-Mitglied“!

Aus der eigenen Erfahrung, wie wichtig der Glaube und die Familie für das Wohlbefinden sind, haben Hannelore Spitzlei und ihre Kinder die Philosophie abgeleitet, nach der sie ihr erfolgreiches Unternehmen so lange schon führen. Es ist für sie selbstverständlich und ausdrücklich erwünscht, dass auch die Angehörigen der Bewohner jederzeit eingeladen sind. Nicht nur auf einen kurzen Besuch, sondern auch dazu, alle Feste gemeinsam zu feiern, gemeinsam zu speisen und Zeit zu verbringen. Die Einladung beschränkt sich dann nicht nur auf Zweibeiner. Auch Vierbeiner dürfen kommen oder sogar in den Maranatha-Häusern wohnen.

Harald Monschau weiß genau, welche Bedeutung Liebe und Nähe haben. Oft vergessen wir, dass unsere Eltern oder Großeltern die gleichen Bedürfnisse nach Körperkontakt haben wie wir. Eine Umarmung oder wenigstens eine liebevolle Berührung am Arm, ein Streicheln über die Hand. Wenn es keinen Partner mehr gibt und kein Haustier, wird dieses grundlegende Bedürfnis nicht mehr bedient. Der Mensch leidet. Gerne gibt Harald Monschau Angehörigen, die unsicher sind im Umgang mit ihrer alt gewordenen Mutter, ihrem alt gewordenen Vater, eine Packung Hautcreme in die Hand und fragt „Wann haben Sie ihre Mutter das letzte Mal umarmt oder gestreichelt?“. Er fordert sie dann auf, sich für eine halbe Stunde mit der Mutter zurückzuziehen und ihr die Arme und Beine einzucremen. „Es ist unglaublich, welche Nähe da entsteht, was mit den Menschen passiert“.

So wird sich in den Häuser des Maranatha nicht nur um das körperliche Wohlergehen und die Versorgung mit Essen, Trinken, Körperpflege gekümmert. Der psychologische Aspekt stand und steht im Fokus, die Einbeziehung der jeweiligen Familienangehörigen wird nach allen Regeln unterstützt.

Aber wo wir gerade bei den kulinarischen Genüssen sind. Alle Lebensmittel, die in der Küche des Maranatha zubereitet werden, stammen ausschließlich aus der Region, es wird frisch gekocht, täglich stehen zwei Menüs zur Auswahl und auf extra Wünsche wird immer eingegangen. Die Familie selbst isst mit und sieht das alles andere als eine Pflichtübung.

Die Leitung orientiert sich immer neu, nichts soll zu langweiliger oder zeitungemäßer Routine verkommen. So wurde der Wunsch nach einer Fischwoche umgesetzt oder die Idee, Gerichte aus anderen Kulturen zu kochen. Hier waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, die aus anderen Ländern stammen und sich mit ihren Rezepten einbringen konnten.

Aktuell geht auch im Maranatha der Trend hin zu „back to the roots“. Wir erinnern uns doch alle noch daran, wie in unserer Kindheit gekocht und gespeist wurde. Fleisch kam in der Regel nur sonntags auf den Tisch. Kartoffeln, Gemüse und Fleisch wurden in Porzellanschüsseln auf den Tisch gestellt und die Servietten warf man nach dem Essen nicht in den Mülleimer, sondern in die Wäsche.

Genau da möchten Hannelore und Harald auch wieder hin, die Bewohner sollen wieder verstärkt das Gefühl haben, „ich sitze daheim am Tisch mit meiner Familie beim Essen“ und nicht „ich sitze im Heim am Tisch“. Der Charakter soll noch mehr weg von Krankenhaus oder Pflege, hin zu Hotel und zu Hause. Weg von Tabletts und Essensaugabe hin zu Schüsseln und Stoffservietten.

Nicht, dass Sie jetzt denken, diese Ideen und Entwicklungen kommen ganz alleine von der Familie um Hannelore Spitzlei. Natürlich handelt es sich bei den Bewohnern um Menschen, die nicht nur – wie zuvor beschrieben – physische und psychische Bedürfnisse haben, die es zu stillen gilt. Sie haben natürlich genau wie jeder andere Mensch Ideen und Tatendrang. Also gibt es einen äußerst aktiven Heimbeirat, bestehend aus neun Bewohnern, der viele Vorschläge entwickelt und an Entscheidungen beteiligt ist. Das Freizeitprogramm richtet sich immer nach den Wünschen der Bewohner und wird in der Umsetzung begleitet durch die Therapeuten. Zum Fußballspiel oder in den Zoo nach Köln, ein Eis essen gehen oder auch einfach nur an den Schwanenteich in der Nachbarschaft.

Und wer rausgeht, will natürlich auch schön sein – nicht nur die Frauen. Der Friseur im Haus ist Anlaufstelle für alle Bewohner, die können und wollen. Manch einer geht regelmäßig und so wird Harald morgens beim gemeinsamen Frühstück auch schon mal begrüßt mit „Hallo Herr Monschau, heute ist Freitag, ich gehe wieder zum Frisör.“

Auf die Frage, wie Harald Monschau, seine Schwester und Mutter es über die vielen Jahre geschafft haben, sich dermaßen aktiv einer Idee zu verschreiben, ohne die Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu überschreiten, antwortet er „mit Gottvertrauen und Genügsamkeit“.

Harald Monschau selbst ist neben seinen vielen Aufgaben im Maranatha Laienprediger, er schwimmt fast täglich eine halbe Stunde und geht spätestens um dreiundzwanzig Uhr ins Bett. Sein erstes Glas Wein hat er mit vierzig getrunken und so lautet seine Devise „bei allem das richtige Maß finden“. Wichtig beim Umgang mit seiner Familie sind ihm Liebe, Respekt und Vertrauen. Und damit meint er – natürlich – nicht nur seine beiden Kinder, sondern alle Bewohner der Maranatha-Häuser.

Gemeinsam mit ansässigen Firmen hat er in Bad Bodendorf das Adventshaus gebaut und arbeitet eng zusammen mit allen Kirchen, katholischer, evangelischer neuapostolischer, und auch zum Imam gibt es freundschaftlichen Kontakt. Fast jede Woche finden im Maranatha Gottesdienste statt, einmal im Halbjahr der Erinnerungsgottesdienst. Erinnert wird an die Verstorbenen und ehemaligen Bewohner. Immer wieder kommen auch die Angehörigen der ehemaligen Bewohner vorbei und besuchen das Maranatha oder den Gottesdienst. Viele Bewohner fühlen sich so wohl, dass sie gerne hier an ihrem letzten Wohnort einschlafen möchten. Dafür bedarf es natürlich einer besonderen Begleitung und somit einer entsprechenden Schulung der Mitarbeiter.

Die Hälfte aller Bewohner hat noch Angehörige, aber nicht alle unterhalten Kontakt. Und es sind nicht immer die Angehörigen, die nicht oder nicht mehr zu Besuch kommen. Mitunter ist es auch der Bewohner oder die Bewohnerin selbst, die ihren Sohn oder ihre Tochter nicht mehr sehen möchte. Hier versucht Harald Monschau zu vermitteln, respektiert schließlich aber immer den Wunsch des Bewohners.

Viele der Bewohner kommen auf Empfehlung ins Maranatha. Die familiäre Atmosphäre, die gute Versorgung und das liebevolle Personal sprechen sich natürlich herum. Harald Monschau kritisiert denn auch nur eines an seinen Mitarbeitern. Die oftmals zu theorielastige Ausbildung. Aber Empathie und die Fähigkeit zuzuhören, kann man nicht unbedingt erlernen. Man hat sie entweder mit in die Wiege gelegt bekommen oder erwirbt sie durch viele Jahre der Praxis.

So erzählt er gerne die Geschichte, die sich vor über zwanzig Jahren ereignete: das Gesundheitsamt rief bei ihm an, Herr Schwarz lebe auf einem Kohlehaufen in einer Scheune oder einem Schuppen vor dem Haus, ob er – Herr Monschau – sich nicht einmal kümmern könne. Aber natürlich, Harald machte sich direkt auf den Weg und fand Herrn Schwarz wie beschrieben vor. Er hieß nicht nur so, er sah auch genauso aus, nämlich schwarz. Er nahm den kleinen, schelmisch lächelnden älteren Herrn kurzerhand mit und steckte ihn zu Hause im Maranatha in die Wanne. Nach viermal Baden war das Wasser immer noch schwarz. Und auch nach zwei Wochen hinterließ der sich über die Jahre festgesetzte Kohlestaub immer noch seine Spuren im Badewasser. Aber natürlich kein Grund, Herrn Schwarz nicht auch wie alle anderen Bewohner im Kreise der Maranatha-Familie willkommen zu heißen.

Ein anderes Mal wurde Harald Monschau zu einer Dame mit Hund gerufen, die schon seit längerem ohne Strom, Wasser und Heizung lebte. Der einzige Sohn stand selber unter Betreuung und konnte sich um die allein gelassene und vernachlässigte Mutter nicht kümmern. Harald sprach mit Engelszungen auf die Dame ein, die partout nicht mitkommen wollte. Nach zweieinhalb Stunden endlich hatte er sie überzeugen können, heute wohnt sie seit mehr als acht Jahren mit ihrer neuen Großfamilie unter einem Dach.

Wie diese zwei kleinen Geschichten noch einmal zeigen, war es immer die Liebe zu den Menschen, die aus der Idee von Hannelore Spitzlei, Sylvia
Linden und Harald Monschau eine unternehmerische, aber vor allem menschliche Erfolgsgeschichte gemacht hat. Erfolg für die Mutter und ihre Kinder, aber noch mehr für die Mitarbeiter und vor allem für die Bewohner.

Wie gesagt ist Hannelore Spitzlei heute 75 Jahre alt und noch genauso engagiert und mit Herzblut dabei. Wie hat sie sich bei der vielen Arbeit so fit halten können? Woher nimmt sie die Energie, wie schafft sie es, auch heute noch täglich ihre Frau zu stehen? Auf die Frage antwortet ihr Sohn „Meine Mutter hat sich jedes Jahr eine zweiwöchige Auszeit im Süden gegönnt. In Tunesien hat sie die Wärme genossen, im Hamam neue Kraft getankt. Das ist ihr Rezept für die Erhaltung der Gesundheit“. Tunesien und sein Wohlfühlangebot haben sie dermaßen begeistert, dass Hannelore eine solche Insel der Entspannung und Erholung auch ins heimische Bad Bodendorf bringen wollte. Daraus entstand die Idee eines Welness-Hotels, des Maravilla. Aber das ist eine andere Erfolgsgeschichte.

 

Interviews mit Harald Monschau, Bad Bodendorf

Erfasst und geschrieben von Irini Höfer, die-ßstorytellers.de

Bad Neuenahr - Ahrweiler März und April 2016

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